Bexaroten: Vom Durchbruch ist nichts geblieben

Aus der Stuttgarter Zeitung vom 23.05.2013

Viele Studienergebnisse sind unzuverlässig, weil sich die Forscher schnell zufrieden geben. Der Test ergibt, dass die Zellen ein bestimmtes Molekül produziert haben? Das genügt – wenn der Forscher genau dieses Ergebnis erwartet hat. Ein Experte fordert die Forscher nun auf, skeptischer zu sein. Und er führt zugleich auf, warum sie das womöglich nicht sind: weil es kaum Konsequenzen hat, wenn sich ein Experiment erst nach Jahren weiterer Forschung als falsch herausstellt, und weil Wissenschaftler unter hohem Druck stehen, überraschende Fachartikel zu schreiben. Die Gutachter für Fachzeitschriften warteten ebenso wie die Mitglieder von Berufungskommissionen auf Artikel, die eine „perfekte Geschichte“ erzählen – also ein verständliches Resultat melden, das keine Fragen offen lässt.

Das gilt auch für den Wirkstoff Bexaroten. Im Februar 2012 meldete ein Team der US-Hochschule Case Western Reserve University, der Wirkstoff Bexaroten, der eigentlich für die Behandlung einer bestimmten Krebsform zugelassen ist, habe bei Labormäusen mit Alzheimer-Symptomen die für diese Krankheit typischen Ablagerungen im Gehirn, die Plaques, reduziert.

Experten zufolge wird Bexaroten daher bereits von einigen Ärzten verwendet, um Alzheimer zu behandeln. Gleich vier Forscherteams aus den USA und aus Belgien haben die Experimente jedoch nun wiederholt. Wie sie gemeinsam in der aktuellen Ausgabe des Fachjournals „Science“ berichten, sind sie alle gescheitert: Bei ihnen hat der Wirkstoff Bexaroten die Ablagerungen im Gehirn der Labormäuse nicht verringert.

Der Einsatz des Mittels zur Behandlung Demenzkranker solle daher „sofort beendet werden“, mahnt ein Forscher.

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